Ein Volkswagen ID.3 fährt auf einer Strasse neben einem Wald.
Technologie

ID.3 von Volkswagen im Langstrecken-Test: Über 330’000 km mit überraschend starker Batterie

Der vollelektrische ID.3 von Volkswagen beweist eindrucksvoll seine Alltagstauglichkeit und Langlebigkeit: Nicolas Follonier hat mit seinem Elektroauto in nur fünf Jahren mehr als 330’000 Kilometer zurückgelegt. Der Erfahrungsbericht zeigt, wie zuverlässig ein ID.3 im Langzeiteinsatz ist – und liefert besonders spannende Erkenntnisse zum Zustand der Batterie nach hoher Laufleistung.

Es gehört zu den hartnäckigsten Vorurteilen, mit denen die Elektromobilität zu kämpfen hat: Die Hochvoltbatterie verliere rasch an Kapazität und müsse nach wenigen Jahren für viel Geld ersetzt werden, vernimmt man bis heute an Stammtischen und in Online-Kommentarspalten.

Nicolas Follonier kann über dieses Vorurteil nur lachen. Der Verkaufsdirektor von Jenny Systems, einem Familienunternehmen, das Haustüren und Garagentore vertreibt und montiert, hat seit dem April 2021 einen vollelektrischen ID.3 Pro S als Geschäftsauto – und mit ihm in den vergangenen fünf Jahren über 330’000 Kilometer zurückgelegt. Doch wie erreicht man eine solch enorme Zahl?

Das Display im ID.3 von Nicolas Follonier zeigt seinen Kilometerstand.

Früher lebte Nicolas Follonier im Dachgeschoss des Firmensitzes in Echallens (VD). Dann lernte er seine heutige Frau kennen und zog an ihren Wohnort in der Nähe von Biel (BE). Seither hat er einen Arbeitsweg von rund 200 Kilometern. Dazu kommen noch durchschnittlich 100 Kilometer, die er geschäftlich für Kunden- oder Baustellenbesuche zurücklegt. Und schon ist man bei 300 Kilometern pro Arbeitstag oder 66’000 Kilometern pro Jahr.

Nicolas Follonier steht neben seinem VW ID.3

Spart 900 Franken pro Monat

«Als ich vor fünf Jahren ein neues Geschäftsauto benötigte, habe mich aus ökologischen wie auch ökonomischen Gründen für ein Elektroauto entschieden», erklärt der Verkaufsdirektor. Der ID.3 fährt lokal CO2-frei und schont damit die Umwelt. Noch viel mehr entlastet er aber das Portemonnaie: «Zuvor hatte ich Treibstoffkosten von 900 Franken – pro Monat», erinnert sich Nicolas Follonier. Mit dem Stromer ist es noch ein Bruchteil davon, und seit das Unternehmen vor einem Jahr eine Photovoltaikanlage installiert hat, lädt er tagsüber meist gratis.

Hinzu kommt, dass der Unterhalt des ID.3 deutlich günstiger ausfällt als bei einem vergleichbaren Verbrenner. In den fünf Jahren standen lediglich zwei reguläre Servicetermine an, zudem braucht es bei einem Elektroauto keinen kostspieligen Austausch von Motoren- oder Getriebeöl. In Sachen Reparaturen kann sich die Bilanz ebenfalls sehen lassen: Motor und Hochvoltbatterie sind noch original, auch die Bremsen mussten bisher nicht getauscht werden. Denn bei einem Elektroauto geschieht das Bremsen meist über die Rekuperation, sodass die Beläge kaum beansprucht werden. Lediglich der Klimakompressor und ein Fensterheber wurden über die Jahre ersetzt.

Nicolas Follonier lädt seinen VW ID.3 auf.
Ich möchte nie mehr zurück zu einem Verbrenner.
Nicolas Follonier
Verkaufsdirektor von Jenny Systems

ID.3 taugt auch als Familienauto

Für Nicolas Follonier ist klar: «Ich möchte nie mehr zurück zu einem Verbrenner.» Nur schon der Fahrspass, den das Elektroauto biete, sei nicht vergleichbar. Beeindruckt ist er im Falle des ID.3 auch vom Platzangebot. Der kompakte Stromer ist ähnlich gross wie ein Golf, bietet dank des längeren Radstands innen aber deutlich mehr Raum. «Wir sind häufig mit der ganzen Familie, also zwei Erwachsenen und zwei Kindern, im ID.3 unterwegs. Früher sogar noch mit Kinderwagen, das ist überhaupt kein Problem.»

Dank der positiven Erfahrung ihres Mitarbeiters hat Jenny Systems inzwischen weitere vollelektrische Firmenautos angeschafft: nebst einem zweiten ID.3 einen ID. Buzz Cargo (s. Video). Dieser überzeugt auch als Zugfahrzeug, der bis zu 2,5 Tonnen an den Anhängerhaken nehmen kann. Geplant ist, nach und nach die ganze Flotte von zehn Autos auf Elektroantrieb umzustellen.

Nicolas Follonier steht vor seinem ID.3
Julien Lüthi macht einen Batterie-Schnelltest am ID.3 von Nicolas Follonier.

Batterie-Kapazität bei 86 Prozent

Was es noch zu klären gilt: Wie geht es einer Autobatterie, nachdem sie die Energie für über 330’000 Kilometer geliefert hat? Um das herauszufinden, fährt Nicolas Follonier zur Garage Bovay in Essertines-sur-Yverdon; der Volkswagen Partner betreut seit über 20 Jahren den Fahrzeugpark von Jenny Systems. Dort wartet bereits der Technische Leiter Julien Lüthi für einen Batterie-Schnelltest. Er hängt dazu ein kleines Diagnosegerät an eine Schnittstelle unter dem Lenkrad und liest per Bluetooth am Computer die Daten aus. Diese erstaunen selbst den Experten: Der Gesundheitszustand der Batterie liegt bei eindrücklichen 86 Prozent. Und damit weit über den 70 Prozent, die Volkswagen nach 160 000 Kilometern oder acht Jahren garantiert.

Das Testzertifikat zeigt zudem, dass insgesamt über 75 000 Kilowattstunden geladen wurden. Davon aber weniger als 1,7 Prozent per Gleichstrom an Schnellladern, sondern grossmehrheitlich über Wechselstrom im Geschäft oder zu Hause. Das dürfte mit ein Grund sein, weshalb sich die Batterie in einem solch guten Zustand befindet.

Nicolas Follonier ist stolz auf sein Auto, das ihn so zuverlässig durch den Alltag begleitet. Deshalb ist für ihn klar, dass er den ID.3 so lange weiterfährt, wie es die Batterie erlaubt. Und hat bereits ein nächstes Ziel vor Augen: «Wir werden zusammen auch die halbe Million Kilometer schaffen.»

Julien Lüthi und Nicolas Follonier schauen die Ergebnisse des Batterie-Schnelltests am PC an.
Der VW ID.3 fährt auf einer Landstrasse entlang.
Der ID.3

VW ID.3 Pro S, 204 PS, 16.3 kWh/100 km, 0 g CO2/km, Kat. B.

VW ID.3 Pro S, 204 PS, 16.3 kWh/100 km, 0 g CO2/km, Kat. B.

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