Der neue E-Kleinwagen auf Tarnfahrt – «Er ist ein richtiger Polo»
Der ID. Polo markiert ab Herbst den neuen Einstieg in die Elektromobilität bei Volkswagen. Wie er sich fährt und weshalb er Platz bietet wie ein Grosser, erzählt uns die Schweizer Automobil-Influencerin Livia, bekannt als «Liv», die ihn kurz vor Serienstart exklusiv testen konnte.
Schon auf den ersten Blick zeigt sich, dass hier etwas ganz Spezielles auf mich wartet. Vor einem mittelalterlichen Anwesen in den Hügeln Kataloniens steht ein kompakter Elektro-Volkswagen, dessen Folierung an den kultigen Polo Harlekin aus den 90er-Jahren erinnert. Mit der Tarnung soll das genaue Aussehen des neuen, vollelektrischen ID. Polo noch verschleiert werden, denn die offizielle Weltpremiere findet erst Ende April statt. Ich aber habe vorab die Möglichkeit, in der Region rund um Barcelona einen Prototypen zu fahren. Dieser ist fast schon serienreif, lediglich die finale Feinjustierung steht nun an, bevor er dann im Herbst so bei uns auf die Strassen kommt.
Es sind solche Momente, die meinen Job spannend und abwechslungsreich machen. Seit 2024 bin ich vollberufliche Content Kreatorin und Fotografin und stelle auf meinem Instagram-Account «WithLiv» automobile Highlights vor: Oldtimer, Sportwagen und neue Elektroautos. Als ausgebildete Mediengestalterin für Werbetechnik finde ich Designthemen besonders spannend, und da hat der ID. Polo einiges zu bieten.
Trotz Tarnfolierung lässt sich sofort feststellen: Er ist eindeutig ein Polo. Zwar etwas breiter und moderner als sein Cousin mit Verbrennermotor, der 2025 sein 50-jähriges Jubiläum feierte. Die Verwandtschaft ist aber offensichtlich. Mit dem ID. Polo vollzieht Volkswagen einen Designwandel, weg vom eher runden Look der bisherigen ID. Modelle, hin zu mehr Kanten und klaren Linien. Er ist das erste Serienmodell, das anhand der neue Designsprache «Positive Pure» gestaltet wurde. Und der erste elektrische Volkswagen seit dem e-Golf, der wieder einen ikonischen Markennamen trägt. Als Studie lief der ID. Polo noch unter der Bezeichnung ID. 2all.
Ein paar Fakten vom Datenblatt: Der Elektro-Polo ist mit 4,05 Metern zwei Zentimeter kürzer ist als der Benziner, bietet aber fünf Zentimeter mehr Radstand. Damit sitzt es sich für einen kleinen Kompakten auch in der zweiten Reihe erstaunlich bequem. Besonders überrascht mich aber der grosse Kofferraum. Mit 435 Litern ist er sogar geräumiger als im deutlich längeren ID.3. Den Trick dahinter erklären mir die Ingenieure vor Ort: Da der komplette E-Antriebsstrang vorne sitzt, fällt im ID. Polo der Kofferraum tiefer aus als üblich. So haben unter dem doppelten Ladeboden zwei ganze Getränkeharassen Platz.
Kann man sich in einem modernen Auto wie in einer gemütlichen Stube fühlen? Für den Innenraum des ID. Polo lautet meine Antwort: definitiv. Dafür sorgen mit Textilien bezogene Oberflächen und bequeme Vordersitze, die optional sogar mit Massagefunktion erhältlich sind. Beige Farbtöne schaffen eine warme Atmosphäre, während das schlichte Design mit seinen horizontalen Linien ruhig aufs Auge wirkt. Wie viel Leidenschaft und Kreativität das Wolfsburger Designteam in den ID. Polo gesteckt hat, zeigt sich in den diversen Spielereien, in der Designersprache «Easter Eggs» genannt, die überall im Innenraum verstreut sind. So sind etwa im Getränkehalter der Mittelkonsole eine Kaffeetasse oder ein kleines Herz abgebildet.
Mein persönliches Highlight findet sich auf dem digitalen Cockpit hinter dem Steuerrad. Per View-Taste auf dem Lenkrad kann ich eine Retro-Ansicht auswählen, die den Instrumenten des Golf I nachempfunden ist – adaptiert auf die Elektro-Mobilität, mit Batterieverbrauchsanzeige statt Drehzahlmesser. Und wenn ich über das Handy Musik laufen lasse, zeigt es auf dem mittigen Bildschirm eine analoge Kassette an. Als Oldtimer-Liebhaberin frohlockt da mein Herz.
Bei der Bedienung schien das Motto allgemein «back to the roots» zu lauten. Das Multifunktionslenkrad verfügt wieder über klassische Tasten, die Klimaanlage lässt sich über physische Knöpfe steuern und zwischen Fahrer- und Beifahrersitz ist ein grosser Drehregler für das Soundsystem platziert. Die Bedienung gibt keinerlei Rätsel auf und funktioniert so intuitiv, wie man es sich in einem Polo seit 50 Jahren gewohnt ist.
Auch beim Fahren lässt der neuste ID. bekannte Volkswagen Tugenden aufblitzen. Das Fahrwerk kann man im besten Sinne als ausgewogen bezeichnen, Unebenheiten werden elegant ausgebügelt, und nicht nur im Sportmodus kommt eine gehörige Portion Fahrspass auf. Verantwortlich dafür ist unter anderem geringe Gewicht von knapp über 1500 Kilogramm, was für ein Elektroauto beachtlich wenig ist. Damit hat der von uns getestete, 211 PS starke Frontmotor leichtes Spiel.
Es ist übrigens kein Zufall, dass die Fahrten mit dem bunten Prototypen in Katalonien stattfinden. Wie mir der Volkswagen Mitarbeiter auf dem Beifahrersitz erklärt, läuft die neue elektrische Kleinwagenfamilie ab Herbst 2026 im nahen Martorell in der Fabrik von Seat/Cupra vom Band. Nebst dem ID. Polo gehören dazu auch der ID. Cross Concept sowie die Pendants der anderen Konzernmarken.
Zurück bei der herrschaftlichen Renaissance-Villa fällt mein Fazit eindeutig aus: Mit dem ID. Polo bringt Volkswagen ein äusserst gelungenes Gesamtpaket auf den Markt. Der Elektro-Kleinwagen überzeugt als kompaktes und wendiges Stadtauto, das erstaunlich viel Platz bietet. Er wird sich zweifellos auch in den Strassen Zürichs, wo ich wohne, sehr gut machen.