Benjamin «Benny» Leuchter lehnt vor einer Präsentationswand mit der Aufschrift «International Media Drive GTI 50».
Driving Experience

50 Jahre Golf GTI – «GTI steht für Fahrspass»

Er hat die Golf GTI der letzten Generationen mit entwickelt: Benjamin «Benny» Leuchter, Werksfahrer von Volkswagen und Rennpilot. Im Interview schildert er, was einen GTI seit fünf Jahrzehnten ausmacht.

Alle Verbrauchsangaben des Fahrzeugs gelten zum Zeitpunkt der Publikation vom 10.03.2026

Weshalb war der Golf GTI bei seiner Markteinführung 1976 so aussergewöhnlich?

Er vereinte erstmals, was sich viele von einem Auto wünschten: Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit. Seine 110 PS tönen nach heutigen Massstäben nicht nach besonders viel, damals war er aber der stärkste Volkswagen. Und er wog nur 810 Kilogramm, das machte ihn derart dynamisch, dass er viele andere, teils deutlich stärkere Sportwagen stehen liess. Der GTI war zudem erschwinglich und bot den gleichen praktischen Nutzen wie der normale Golf.

Wie sah dein erstes Erlebnis mit dem Kompaktsportler aus?

Als ich fünf Jahre alt war, kaufte meine Mutter einen Golf II GTI. Ich kann mich genau an die erste Fahrt erinnern, wie mich der Klang des Motors begeisterte, aber auch das Interieur und die sportlichen Sitze. Für einen Buben, der sich für Autos interessierte, war das damals sehr cool.

Interviewaufnahme mit Benjamin «Benny» Leuchter vor einem Volkswagen Golf GTI Edition 50 im Hintergrund.

Dein erstes eigenes Auto?

War ein Golf VI GTI, den ich neu in der Autostadt von Volkswagen abholte. Er blieb genau 350 Kilometer im Originalzustand: von Wolfsburg bis zu unserem Wohnort in Duisburg. Sobald ich zuhause war, wurde die Abgasanlage und einiges weiteres gewechselt. Aber alles am Auto war stets legal, da schaute mein Vater genau darauf.

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Welche Rolle spielt der Golf GTI im Rennsport?

Eine tragende Rolle. Von Beginn weg hat er sich als erfolgreiches Rennfahrzeug etabliert, und das in den verschiedensten Kategorien – von Bergrennen über Rundstrecken bis zu Slalom und Rally. Überall dort, wo frontangetriebene Autos zum Einsatz kommen, ist der Golf GTI nicht wegzudenken. Auch meine eigene Motorsportkarriere ist sehr eng mit ihm verbunden. Im Golf GTI TCR habe ich meine grössten Erfolge gefeiert, unter anderem den Sieg bei der FIA WTCR   (Tourenwagenweltcup) 2019 auf der anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt, der Nürburgring Nordschleife.

Wann wusstest du, dass du Rennfahrer werden willst?

Bereits als kleiner Knirps hatte ich diesen Traum. Und als ich mit 15 neben Piloten wie Sebastian Vettel und Nico Hülkenberg in einer Formel-Einsteigerklasse fuhr, sah es richtig gut aus. Doch Formel-Rennsport war schon damals sehr teuer, und bald wurde klar, dass sich meine Familie das nicht leisten konnte. Also machte ich das Abitur und studierte Maschinenbau, Rennen fuhr ich in dieser Zeit eher nebenbei. Auf Anraten eines ehemaligen Teamchefs stieg ich dann auf Tourenwagen um. Er sagte mir: Setz dich in ein Auto mit Dach, dann hast du Erfolg. Doch erst als ich 2015 von Volkswagen die Chance erhielt, beim Tourenwagenprojekt TCR mitzuwirken, ging es richtig vorwärts.

Heute bist du der offizielle Werks- und Entwicklungsfahrer der Marke. Wie ist es dazu gekommen?

Volkswagen suchte gleichzeitig auch einen Testfahrer, der reproduzierbare, also sehr gleichmässige Runden fährt. Denn so können die Ingenieure verschiedene Einstellungen testen und sehen direkt, wie sich Änderungen auswirken. Bei meinem ersten Versuchseinsatz fuhr ich insgesamt 76 Runden mit lediglich 1,6 Sekunden Differenz, ich war wie ein Schweizer Uhrwerk unterwegs. In solchen Situationen kann ich mich auf meine fahrerischen Stärken verlassen: Timing, Präzision und Fahrgefühl.

Benjamin «Benny» Leuchter in rotem Licht inszeniert während eines Interviews über den Golf GTI.
Benjamin «Benny» Leuchter steht auf einer Rennstrecke vor einem roten Volkswagen Golf GTI.

Wie sieht deine Aufgabe als Entwicklungsfahrer aus?

Mein Spezialgebiet ist die Fahrwerksabstimmung. Als Rennfahrer bewege ich das Auto am Limit und spüre, wie es sich im Grenzbereich verhält. Da kommt mein Popometer zum Einsatz (lacht). Anschliessend teile ich den Ingenieuren mit, was das Auto macht und was es besser machen könnte. Wir reden zum Beispiel von Federraten oder wie das Anlenkverhalten funktionieren soll. Entsprechend wird das Fahrwerk angepasst, bis die Abstimmung perfekt ist. Ich teste übrigens nicht nur die Sportmodelle, sondern alle neuen Volkswagen, bevor sie auf den Markt kommen.

Was gefällt dir an dieser Arbeit?

Es macht mir Spass, Fahrzeugen einen Charakter zu geben. Wenn ein neues Modell dann hunderttausendfach auf der Strasse fährt und du weisst, dieser und jener Input kam von mir, ist das einfach genial. Entwicklungsfahrer bei Volkswagen zu sein, ist wirklich eine Riesensache. Mit der Formel 1 hat es bei mir zwar nicht geklappt, aber dieser Job ist ebenfalls ein Traum.


Welches ist deine Lieblingsgeneration des Golf GTI?

Ich mag die klassischen Autos, den Golf I und den Golf II, auch wegen der Erinnerungen mit meiner Mutter. Aber eine ganz besondere Beziehung habe ich zum Golf VII GTI Clubsport S. Da war ich erstmals an der Entwicklung beteiligt und mit ihm habe ich 2016 am Nürburgring den Rundenrekord für das schnellste Serienfahrzeug mit Frontantrieb aufgestellt, mit 7:49:21 Minuten (auf der offenen Streckenvariante).

Ein Rekord, der lange Bestand hatte.

2025, also neun Jahre später, habe ich mit dem neuen Golf VIII GTI «Edition 50» die Rekordzeit unterboten. Neu steht sie bei 7:41:27 Minuten, also ganze acht Sekunden schneller (auf der offenen Streckenvariante), und bei 7:46:13 auf die ganze Runde gesehen.

Was macht die «Edition 50» speziell?

Das Jubiläumsmodell zum 50. Geburtstag stellt für mich die Spitze der Performance in der GTI-Geschichte dar. Die Spreizung zwischen Alltagstauglichkeit und Sportlichkeit war noch nie grösser. Besonders eindrücklich ist, dass wir die Rekordrunde auf der Nordschleife mit einem vollwertigen, fünfsitzigen Auto gefahren sind, das so an die Kunden ausgeliefert wird.

Benjamin «Benny» Leuchter bereitet einen Rennhelm neben einem Volkswagen Rennfahrzeug vor.

Wie hat sich der Golf GTI über die Jahre und Generationen entwickelt?

Technisch sind wir heute natürlich an einem ganz anderen Punkt wie noch 1976 mit dem Golf I GTI, allein was den Motor betrifft. Der «Edition 50» hat mit 325 PS fast dreimal so viel Leistung! Auch bei Komfort und Sicherheit ist sehr viel gegangen: Der erste GTI hatte nicht mal Servolenkung, im Jubiläumsmodell gibt es adaptive Dämpfer und den Fahrdynamikmanager, das sind Welten. Die Kerncharakteristik des GTI ist aber immer beibehalten worden. Und was sich auch nie geändert hat, ist der Fahrspass. Dafür steht GTI.

Bekommst du eigentlich viele Bussen?

Überhaupt nicht. Abseits abgesperrter Strecken bin ich sehr entspannt und vorsichtig unterwegs, häufig fahre ich sogar langsamer als erlaubt. Dann bittet mich meine Freundin jeweils, doch ein bisschen schneller zu machen (lacht). Und nach Rennen meines Rennstalls «Max Kruse Racing» fahre ich den 40-Tönner mit dem Material gerne selbst hin und wieder in die Werkstatt zurück. Das entschleunigt mich.

Persönlich: Benjamin «Benny» Leuchter

Benjamin «Benny» Leuchter (38) ist offizieller Werks- und Entwicklungsfahrer von Volkswagen und arbeitet bei der Fahrwerksabstimmung aller neuen Modelle mit. Der Duisburger sass neunjährig das erste Mal in einem Go-Kart, fuhr später Formel-Rennen, bevor er mit 20 zu den Tourenwagen wechselte. Seit 2015 fährt er auf den Rundstrecken den Golf GTI TCR, inzwischen als Mitbesitzer und Teamchef des Rennstalls «Max Kruse Racing». Im Juni 2025 stellte er mit dem Golf GTI «Edition 50» den neuen Rundenrekord für das schnellste Volkswagen Serienmodell auf der Nordschleife des Nürburgrings auf.

Porträt von Benjamin «Benny» Leuchter auf einer Teststrecke, im Hintergrund ein roter Volkswagen Golf GTI.

VW Golf GTI Edition 50 2.0 TSI, 325 PS, 7-Gang-DSG, 7.9 l/100 km, 181 g CO2/km, Kat. G.

VW Golf GTI Edition 50 2.0 TSI, 325 PS, 7-Gang-DSG, 7.9 l/100 km, 181 g CO2/km, Kat. G.