50 Jahre Golf GTI: Acht Generationen und ein Blick in die elektrische Zukunft
50 Jahre Golf GTI: Das runde Jubiläum feierte Volkswagen Schweiz mit einer Karawane aller acht GTI-Generationen über den Klausenpass. Ebenfalls dabei war ein elektrisierender Überraschungsgast.
Alle Verbrauchsangaben des Fahrzeugs gelten zum Zeitpunkt der Publikation vom 13.08.2026
So sieht lebendige Automobilgeschichte aus: Am Vorabend der Schweizer Golf-GTI-Karawane versammeln sich in Hurden, einem Weiler auf einer Halbinsel am Zürichsee, alle acht Generationen des Kult-Kompaktsportlers. Vom 1er-GTI aus dem Jahre 1976 bis hin zum aktuellen Jubiläumsmodell «Edition 50», das mit 325 PS den stärksten Golf GTI aller Zeiten darstellt.
Während die drei ältesten Vertreter aus der Classic Sammlung und der neuste aus der Presseflotte der AMAG stammen, komplettieren GTI-Fans mit ihren eigenen Autos die historische Reihe. Das besondere an ihren Modellen: Es sind allesamt Jubiläums-Ausgaben, vom Sondermodell «25 Jahre» der vierten Generation bis zur «Edition 40» der siebten Generation.
Erster elektrischer GTI
Als die GTI-Fahrer die acht Volks-Sportwagen aus fünf Jahrzehnten im Detail begutachten und über Motorleistung, Fahrwerke und Felgendesigns fachsimpeln, fährt summend ein Auto vor, das für drehende Köpfe und hochgezogene Augenbrauen sorgt. Es ist der Überraschungsgast der Karawane: der ID. Polo GTI. Der Elektroflitzer ist noch ein Vorserienmodell und kommt erst nächstes Jahr auf den Markt. Für die Jubiläums-Karawane ist er aber erstmals auf Schweizer Strassen unterwegs.
Sofort begeben sich alle zum elektrischen Neuling. «Der sieht in echt viel besser aus als auf den Bildern», lautet die erste Bemerkung. Im Interieur stossen die GTI-Akzente auf Zustimmung, insbesondere die roten Ziernähte und die 12-Uhr-Markierung am Lenkrad oder das neuinterpretierte Karo-Muster auf den Sitzen. «Da kommt echtes GTI-Feeling auf», sagt Michel Blumenstein. Ob das auch für das Fahrverhalten gilt? Das wird sich am nächsten Tag zeigen.
Der sieht in echt viel besser aus als auf den Bilder. Dakommt echtes GTI-Feeling auf.Michel Blumenstein
Sport-Golf wurde Überraschungserfolg
Bevor es mit der Karawane losgeht, lohnt sich ein kurzer Rückblick auf die Anfänge des Golf GTI. In den 1970-er Jahren tüftelte ein kleines Team bei Volkswagen an einem Sport-Golf – einem Kompaktmodell, das sowohl hochdynamisch wie auch alltagstauglich und erschwinglich sein sollte. Ein Prototyp sorgte im Sommer 1975 als Pace-Car auf dem Nürburgring für Aufsehen, im September des gleichen Jahres feierte der Golf GTI an der IAA offiziell Premiere. 5000 Stück des Sondermodells waren bei der Markteinführung 1976 geplant, doch bereits im ersten Jahr wurden Zehntausende verkauft – bis heute sind es total über 2,5 Millionen Exemplare. Das Erfolgsrezept der ersten Generation: 1,6-Liter-Einspritzer-Benzinmotor mit 110 PS, 810 Kilogramm Leergewicht und Sportfahrwerk. So begründete der Golf I GTI die Klasse der Kompaktsportler und wurde innert Kürze zu einer automobilen Legende.
Fast so legendär wie der Golf GTI ist der Klausenpass, der den Höhepunkt der Jubiläumskarawane bildet. Während der Sommermonate verbindet er die Kantone Glarus und Uri, unter Motorsportfans ist er vor allem wegen des Klausenrennens bekannt. Beim «grossen Bergpreis der Schweiz» rasten von 1922 bis 1934 Grand-Prix-Rennwagen die 21,5 Kilometer bis zur Passhöhe hinauf – über eine grösstenteils unbefestigte Schotterpiste.
ID. Polo GTI führt Karawane an
Mit Ausnahme der ersten Kopfsteinpflasterkurven direkt nach Linthal ist die Passstrasse längst durchgehend geteert. Sie zu befahren, macht aber weiterhin einen Heidenspass, wie Martin Hube feststellt. Der Pressesprecher aus Wolfsburg hat die Ehre, die Karawane im ID. Polo GTI anzuführen.
Mit 226 PS verfügt der Stromflitzer über mehr als doppelt so viel Leistung wie der Ur-GTI, die E-Auto-typisch permanent zur Verfügung stehen. In Kombination mit dem adaptiven Fahrwerk und der Vorderachsquersperre zieht der ID. Polo GTI gierig durch die zahlreichen Kehren und beschleunigt jeweils vehement wieder heraus. Was Martin Hube ebenfalls gefällt: die direkte und präzise Progressivlenkung. «Er ist wirklich ein GTI durch und durch.»
Erste Generationen überzeugen bis heute
Eindruck macht aber auch, wie die älteren Modelle die Strecke bewältigen. Selbst der Golf GTI I und II, die noch nicht mal über Servolenkung verfügen, halten wacker mit ihren jüngeren und potenteren Geschwistern mit, trotz ihrer vergleichsweise bescheidenen 110 PS bzw. 139 PS. Entsprechend breit ist das Grinsen der Autojournalisten, die die ersten Generationen fahren, als sie oben auf der Passhöhe die Autos tauschen.
Gleich mit zwei Autos in der Karawane vertreten ist Ivo Schneider. Er lässt sich die Gelegenheit nicht entgehen, auf dem nächsten Streckenabschnitt den ID. Polo GTI zu erleben. Zwar nur als Beifahrer, selbst lenken darf er den Prototypen nicht – eine Position, die er sich als Fahrlehrer gewohnt ist. Es reicht aber, um vom neusten Mitglied der GTI-Familie ein positives Bild zu erhalten. «Der Elektro-GTI wirkt sehr agil und dynamisch. Das könnte mein nächstes Arbeitsgerät für die Fahrschule werden.»
Der Elektro-GTI wirkt sehr agil und dynamisch. Das könnte mein nächstes Arbeitsgerät für die Fahrschule werden.Ivo Schneider
In Weggis am Vierwaldstättersee wird ein Mittagshalt eingelegt, bevor es über den Sattel zurück nach Hurden geht. Bei Rothenthurm stoppen die GTIs nochmals für ein gemeinsames Familienfoto. Nicht mehr mit dabei ist der ID. Polo GTI, der sich schon auf dem Rückweg nach Wolfsburg befindet. Er hat bei seiner Stippvisite in der Schweiz gezeigt, dass er bereit ist, ab nächstem Jahr den Mythos GTI in die Elektromobilität zu transferieren.
Die GTI-Fahrer und ihre Autos
Der Golf GTI Editon 50
Der ID. Polo GTI
angeboten.
1/1
VW Golf GTI Edition 50 2.0 TSI, 325 PS, 7-Gang-DSG, 7.9 l/100 km, 181 g CO₂/km, Kat. G. |
|---|